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(Feminismus 2.0, Teil 2)
Daß dieser Feminismus weiter so ist wie er nicht zu sein
bräuchte, das liegt vermutlich auch an den für so manche(n)
enttäuschenden Ergebnissen und Entwicklungen die sich in
zurückliegenden Jahrzehnten aus der wissenschaftlichen
Auseinandersetzung mit dem Thema ergaben. Offenkundig entwickelten sich
hieraus keine zulässigen Alternativen für das
Überkommene.
Aus der Frauenbewegung in die Universitäten diffundiert wandelte
sich der Fachbereich Frauenforschung unter der spezifischen
wissenschaftlichen Forschungslogik und -dynamik schnell. An den
soziologischen Instituten ist daher heute oft und sehr sachlich von der
Geschlechterforschung die Rede. Auch dominieren nicht mehr marxistische
Prägung oder die Forschung nach den Besonderheiten des Weiblichen.
Es geht heute eher darum, daß die binäre Geschlechterordnung
eines insbesondere zu sein scheint: ein soziales Konstrukt. Den
strengen Zwang „Mann“ oder „Frau“ sein zu
müssen und die Folgen hieraus, auferlegen wir uns durch das
unbewußte Repetieren sedimentierter sozialer Institutionen im
Alltag letztlich selbst.
Den aus der Konstruktions-These folgenden Verlust seines
„Objekts“ – also die Frau – will der
außerwissenschaftliche Feminismus nicht hinnehmen. Nicht zuletzt
steht mit diesem inzwischen auch eine Infrastruktur zur Förderung
und Gleichstellung von Frauen zur Disposition, die für einige zur
materiellen Existenzgrundlage geworden ist. Auch deshalb werden
unliebsame wissenschaftliche Überlegungen von Seiten vieler
„Praktiker/innen“ als destruktiver Relativismus abgetan.
Dabei weist doch die Infragestellung der zweigeteilten
Geschlechterordnung die „Praxis“ auf etwas hin, das bei
aller geschlechtlichen, religiösen oder ethnischen Klassifizierung
zum Teil nicht mehr zur Kenntnis genommen wird: Der Ausgangspunkt
emanzipatorischer Bestrebungen sollte heute weder von der Konfession,
der Staatsangehörigkeit oder dem Geschlecht des in verschiedener
Hinsicht unfreien Individuums abhängen.
Feminismus sollte sich demnach weniger auf die einseitige
Unterstützung der Frauen beschränken, sondern, die
Zusammenhänge auf der spezifische Unterdrückung beruht
erfassend, unter Absehung der Kategorie Geschlecht, für die
geistige, politische und soziale „Befreiung“ aller Personen
eintreten. Feminismus würde damit als Begriff und Bewegung eine
den Umständen angemessenere Bedeutung erhalten.
Statt dessen aber klettern Alice Schwarzer und Eva Herrmnan lieber
weiter in die alten „Schützengräben“ des
diskursiven Geschlechterkampfes. Sie vertiefen damit Differenzen, die
ansonsten wohl weit weniger Bedeutung hätten.
Zu einem taugt der „kleine Unterschied“ dabei dann
allerdings doch noch: Er steigert die Verkaufszahlen der Bücher
und damit den „Marktwert“ beider Autorinnen.
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Reimar Winkler (September 2006)
[veröffentlicht unter dem Titel: gefangen im zeitgeist und in der vergangenheit – plädoyer für eine emanzipatorische neuausrichtung des feminismus, in: kinder von vineta. abhängige studentInnenzeitung (wien/innsbruck), 10. Januar 2007]
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